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Wenn Selbstvertrauen Wissen schlägt - der Dunning-Kruger-Effekt

  • Mika, S1
  • 11. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum manche Menschen völlig überzeugt von ihren Fähigkeiten sind, obwohl sie eigentlich gar nicht so viel Ahnung haben? Genau diese alltägliche Situation beschreibt der sogenannte „Dunning-Kruger-Effekt“. Dieser psychologische Effekt, der sogar bei prominenten Politikerinnen und Politikern beobachtet werden kann, zeigt eindrucksvoll, warum Selbstüberschätzung nicht nur ein individuelles Problem ist, sondern ein gesellschaftlich relevantes Thema darstellt.




Was ist der Dunning-Kruger-Effekt?

Das Phänomen, erforscht durch die amerikanischen Psychologen David Dunning und Justin Kruger, beschreibt die übermäßige Selbsteinschätzung von Personen, die in einem bestimmten Bereich nur wenig Wissen besitzen, aber dennoch mit höchstem Selbstbewusstsein mitdiskutieren. Dabei handelt es sich um eine kognitive Verzerrung, die Menschen mit geringerer Kompetenz dazu bringt, ihre Fähigkeiten deutlich zu überschätzen. Gleichzeitig unterschätzen solche Personen oft andere Menschen mit echtem Fachwissen, da ihnen das nötige Verständnis fehlt, um deren Leistungen realistisch einzuschätzen. Personen, die vom Dunning-Kruger-Effekt betroffen sind, merken oft gar nicht, dass ihnen wichtiges Wissen fehlt.

Kurz gesagt, halten sich Menschen mit wenig Wissen in einem bestimmten Fachbereich oft für deutlich kompetenter, als sie es tatsächlich sind. Dieser Widerspruch macht den Dunning- Kruger-Effekt zu einem nicht ganz unproblematischen Bestandteil menschlicher Wahrnehmung.


Wie kommt es zum Dunning-Kruger-Effekt und inwiefern beeinflusst uns dieser?

Das menschliche Gehirn neigt dazu, komplexe Informationen zu vereinfachen. Beschäftigen wir uns also nur oberflächlich mit einem Thema, wirkt es oft leichter, als es in der Realität ist. Genau an diesem Punkt beginnen wir, uns selbst zu überschätzen. Sobald unser Wissen über einen Fachbereich jedoch wächst, erkennen wir nach und nach, wie viele Details und Zusammenhänge wir vorher übersehen haben. Je mehr Kompetenz wir entwickeln, desto bewusster wird uns, wie viel wir eigentlich noch nicht wissen. Dadurch verhalten sich Menschen mit einem hohen Wissensstand häufig zurückhaltender, weil sie die tatsächliche Komplexität des Themas einschätzen können und ihnen bewusst ist, wie viel sie noch nicht wissen. Hierdurch kommt es auch zu der Situation, dass selbst sehr kompetente Personen an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln. So gesehen, beeinflusst uns dieser psychische Effekt gleich doppelt. Wissen wir zu wenig, führt dies zur Selbstüberschätzung. Wissen wir zu viel, sind wir oft zu selbstkritisch.


Wie zeigt sich der Dunning-Kruger-Effekt im Schulalltag?

Tatsächlich begegnet uns der Dunning-Kruger-Effekt im Schulalltag viel öfter, als man zunächst denken mag. Wahrscheinlich kennt ihr alle eine Person, die nur kaum für eine Klassenarbeit oder einen Test gelernt hat und trotzdem voller Überzeugung ist, eine Eins zu schreiben. Die Überraschung ist dann wiederum groß, wenn die Note deutlich schlechter ausfällt,

als zunächst angenommen.

In solchen Situationen führt ein geringes Verständnis des Stoffes zu einer massiven Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten. Doch der Effekt zeigt sich auch in der entgegengesetzten Richtung. Manche Mitschülerinnen und Mitschüler unterschätzen ihr Wissen, obwohl sie eigentlich gut vorbereitet sind. Sie trauen sich unter Umständen nur wenig zu und haben Angst, im Unterricht etwas Falsches zu sagen. Dabei verfügen sie oft über mehr Wissen, als sie glauben. Wer viel versteht, erkennt damit auch, wie komplex ein Thema ist und zweifelt dadurch häufig an sich selbst. Daraus folgt dann oft eine geringere Beteiligung im Unterricht. In beiden Szenarien, die gar nicht so unüblich sind, zeigt sich, wie stark der Dunning-Kruger-Effekt einen Einfluss auf unsere schulischen Leistungen haben kann.


Welche prominenten Beispiele für den Dunning-Kruger-Effekt gibt es?



Ein aktuell sehr präsentes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt ist der amtierende US Präsident, Donald Trump. Trump selbst sagt über sich, er würde seine Entscheidungen aufgrund von „gesundem Menschenverstand“ treffen, anstelle von fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Genau hier finden wir den Dunning-Kruger-Effekt wieder: Trump denkt, er selbst hätte mit seinem „Menschenverstand“ mehr Ahnung, als Expertinnen und Experten, die sich teils ihre ganze Karriere mit einem Fachbereich auseinandergesetzt haben.

Aber nicht nur der US-Präsident ist hiervon betroffen, sondern auch einer seiner ehemaligen Befürworter, Elon Musk. Musk äußert sich immer wieder zu Themen, beispielsweise künstlicher

Intelligenz, die sehr komplex sind. Dabei lässt er oft die Meinung von Kritikerinnen und Kritikern außer Acht, die ihm vorwerfen, dass er Risiken verharmlosen und deren Einschätzung vernachlässigen würde.


Effekt spielt im Alltag große Rolle

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Dunning-Kruger-Effekt weit verbreitet ist und dabei sowohl im schulischen Alltag als auch in der Gesellschaft eine erhebliche Rolle spielt. Dabei sollte man stets im Hinterkopf behalten, dass der Dunning-Kruger-Effekt nicht zwangsläufig schließen lässt, dass eine betroffene Person ungebildet ist oder eine begrenzte Auffassungsgabe hat. Besonders gefährlich ist der Effekt, wenn Personen mit großer Medienaufmerksamkeit oder Verantwortung ihre eigenen Kenntnisse überschätzen und dabei die fachliche Expertise in den Hintergrund rückt. Um den Dunning-Kruger-Effekt bei sich selbst zu vermeiden, ist es wichtig, offen für Reflexionen und Rückmeldungen zu bleiben und die Expertise von Expertinnen und Experten anzuerkennen.

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