Wehrdienst neu gedacht - und wir mittendrin
- Tim, S2
- 15. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Am 5. Dezember 2025 beschloss der Bundestag mit Stimmen der Union und SPD Fraktion das Gesetz zum neuen Wehrdienstmodell. Dabei geht es um die Stärkung der Bundeswehr da. Staaten wie Russland die Sicherheit in Europa gefährden könnten so die Union. Dabei ist das Ziel nicht nur mehr materielle Ausrüstung zu kaufen, sondern, um diese Maschinen auch benutzen und warten zu können, auch mehr Soldat*innen ausgebildet werden sollen. Die Zielmarke ist bis Mitte der 2030er Jahre eine Zahl von 260.000 aktiven Soldat*innen, sowie 200.000 Reservist*innen zu erreichen. Aktuell dienen aktuell circa 185.000 Soldaten der Bundeswehr und da die Bundeswehr nun aufgerüstet werden soll, wurde das eben erwähnte Wehrdienstgesetz beschlossen. Dieses sieht vor, allen Personen, welche 18 Jahre alt werden und nach dem 31.12.2007 geboren wurden sind einen Brief zukommen zu lassen, in dem gefragt wird, wie stark das Interesse nach einem Wehrdienst in der Bundeswehr ist und persönliche Angaben, wie zum Bespiel Größe, Gewicht, Schulabschluss etc. Männer sind dazu verpflichtet diesen Fragebogen innerhalb von vier Wochen auszufüllen, Frauen steht es hingegen frei dies zu unterlassen oder auch zu tun. Eingeladen zur Musterung werden, dann wenn genug Kapazitäten vorhanden sind, alle Männer egal was sie in der Umfrage angegeben haben. Aktuell sieht es so aus, dass vorrangig Personen die ein Interesse auf einer Skala über 0 angegeben haben zur Musterung eingeladen werden. Männer müssen bei einer Einladung erscheinen, Frauen steht es auch hier frei dieser Einladung zu folgen, oder nicht. Wenn es nicht genug Freiwillige für die vorhanden Kapazitäten geben sollte, wird ausgelost, wer zur Musterung eingeladen wird und wer nicht. Das trifft aber nur auf männliche Personen zu.

Kritik zu der Gesetzgebung gibt es im Bundestag vor allen von den Oppositionsparteien. Die Grünen finden, dass es zwar nötig ist die Bundeswehr wegen der veränderten politischen Lage und dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu stärken, sie wollen dabei aber stärker auf Freiwilligkeit setzen. Sie kritisieren vor allem, dass mit dem neuen Modell wieder hauptsächlich junge Männer belastet werden. Auch das Losverfahren sehen sie kritisch, da es aus ihrer Sicht ungerecht ist, wenn nur ein Teil der jungen Menschen diese Last tragen muss. Statt nur auf den Wehrdienst zu schauen, fordern die Grünen auch mehr Unterstützung für den Bevölkerungsschutz, die Reserve und Freiwilligendienste. Außerdem sagen sie, dass das Gesetz die eigentlichen Probleme der Bundeswehr nicht löst, weil es an anderen Stellen weiterhin an Reformen fehlt.
Die AfD lehnt das neue Wehrdienstgesetz ebenfalls ab, allerdings aus anderen Gründen als die Grünen. Sie findet, dass das Gesetz nicht weit genug geht, weil es weiterhin stark auf Freiwilligkeit setzt. Stattdessen fordert die AfD schon länger wieder eine richtige Wehrpflicht für junge Männer. Deshalb sieht sie das neue Modell nur als halbe Lösung an. Aus ihrer Sicht reicht das Gesetz nicht aus, um die personellen Probleme der Bundeswehr schnell zu lösen.
Die Linke lehnt das neue Wehrdienstgesetz grundsätzlich ab. Sie sieht darin einen weiteren Schritt zurück in Richtung Wehrpflicht und kritisiert, dass junge Menschen dadurch wieder stärker an das Militär gebunden werden sollen. Vor allem die verpflichtende Musterung sieht sie sehr kritisch. Die Linke warnt davor, dass aus diesem Modell später auch ein verpflichtender Wehrdienst werden könnte. Statt mehr Aufrüstung und mehr Soldat*innen fordert sie eine friedlichere Politik und den Schutz des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung.
Außerdem kritisieren Viele, auch sehr viele junge Leute, dass zu wenig mit der jungen Generation geredet wird, also über sie und nicht mit ihnen darüber entschieden wird und das andere Teile der Gesellschaft wie ältere und weibliche Personen nicht in eine Pflicht genommen werden der Gesellschaft einen Beitrag zu leisten. Aus diesen Gründen gab es in den letzten Wochen und Monaten viele Demonstrationen gegen eine Wehrpflicht und gegen das Wehrpflichtgesetz, unter anderem von der Organisation Schulstreik gegen Wehrpflicht, die viele der Demonstrationen organisiert haben. Die Organisation sieht das Gesetz als ersten Schritt Richtung einer tatsächlichen Wehrpflicht, da Deutschland sich auch mit dem hohen Budget auf den Krieg vorbereite und die Pflicht früher oder später eingeführt werde. Außerdem wird kritisiert, dass Männer im Alter von 17-45 einen Auslandsaufenthalt, der länger als 3 Monate dauert, bei der Bundeswehr genehmigt werden muss. Zwar hat das Verteidigungsministerium diesen Teil des Gesetzes ausgesetzt, kann jedoch sehr schnell reaktiviert werden.
Wie unterschiedlich die Meinungen zu dem Thema sind, zeigt sich auch in Stellungnahmen von Schüler*innen. Dabei wird deutlich, dass es sowohl Zustimmung als auch deutliche Ablehnung gegenüber dem neuen Wehrdienstmodell gibt. Einzelne Aussagen daraus lassen erkennen, wie unterschiedlich junge Menschen auf das Gesetz blicken.
Eine Stellungnahme aus der Schülerschaft (dessen Name nicht genannt werden möchte der Redaktion jedoch bekannt ist) sieht den neuen Wehrdienst als sinnvoll an. Dort heißt es, dass es „logisch“ sei, sich auf einen möglichen Verteidigungsfall vorzubereiten, wenn Männer im Ernstfall ohnehin eingezogen werden könnten. Außerdem wird betont, dass eine kurze Vorbereitung vor einem Einsatz „bei weitem nicht an einen mehrmonatigen Wehrdienst heran“ reiche. In der Stellungnahme wird auch gesagt, dass eine gute Ausbildung „im Zweifel Leben retten“ könne und dass für die Person deshalb feststehe, später selbst zur Bundeswehr gehen zu wollen. Daran zeigt sich, dass manche junge Menschen den Wehrdienst vor allem als Sicherheitsfrage betrachten und ihn deshalb befürworten. Die Person findet jedoch auch, dass niemand der nicht zur Bundeswehr möchte, dorthin muss. Es soll dafür eine allgemeine Dienstpflicht für junge Menschen geben, um sich an der Gesellschaft zu beteiligen.
Eine andere Stellungnahme (dessen Name auch nicht genannt werden möchte der Redaktion jedoch bekannt ist) lehnt das neue Wehrdienstgesetz dagegen klar ab. Darin wird es als „äußerst negativ“ und „respektlos der Jugend gegenüber“ bezeichnet, weil junge Menschen sich schon jetzt mit Problemen wie hohen Mieten, niedrigen Löhnen und Zukunftsängsten auseinandersetzen müssten. Gleichzeitig werde nun erwartet, dass sie „bereit ist, im Ernstfall für ihr Land zu sterben“. Kritisiert wird außerdem, dass im Krieg oft „nicht für Ideale, sondern für die Interessen der Reichen“ gekämpft werde. In der Stellungnahme wird auch gefordert, dass der Staat sich zuerst stärker um Probleme im eigenen Land kümmern sollte, statt vor allem auf Aufrüstung zu setzen. Hinzu kommt Kritik an Zuständen innerhalb der Bundeswehr, etwa an „Machtsystem“ und „Einschränkung der eigenen Entscheidungsfreiheit“ sowie an Berichten über diskriminierendes Verhalten. Diese Sichtweise macht deutlich, dass es unter Jugendlichen auch große Zweifel daran gibt, ob ein Wehrdienst unter den aktuellen Bedingungen gerecht und zumutbar ist.
Dabei ist wichtig zu sagen, dass es sich bei den Aussagen um persönliche Meinungen handelt. Sie zeigen aber trotzdem gut, wie unterschiedlich die Schüler*innen auf das neue Wehrdienstgesetz reagiert. Während einige den Wehrdienst als sinnvolle Vorbereitung und wichtige Sicherheitsmaßnahme sehen, empfinden andere ihn als ungerecht, belastend und als falsches politisches Signal. Diese unterschiedlichen Reaktionen machen deutlich, wie umstritten das Thema gerade unter jungen Menschen ist.


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