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Wissenschaft, Mental-Training und KI im Sport - Was hat das alles mit Golf zu tun?

  • Kira, S3
  • 22. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Was genau siehst du eigentlich vor deinem inneren Auge, wenn du an das Golfen denkst Vermutlich siehst du Opa Klaus der mit 20 km/h in seinem Golf Cart über den Golfplatz brettert, um seinen tausendsten Schlag zu machen, damit er endlich das Grün mit dem Loch erreicht. Dabei trägt er ein dunkelblaues Poloshirt und eine rot-grün karierte Golfhose. Auf dem Grün steht er nun gebückt, locht den Ball ein, hebt seine rustikale Schiebermütze, die wohl noch aus der Gatsby-Zeit stammt und winkt seinem Mitspieler Hans-Herbert zu. Vielleicht beschreibt dieses Bild aktuell deine Vorstellung vom Golfen. Dieses klassische und vor allem weit verbreitete Bild hat jedoch wenig mit dem aktuellen Golfsport zu tun.


Aber warum ist diese bestimmte Ansicht nicht mehr zeitgemäß?

Klar, die Herren, die über den Golfplatz in ihrem Cart düsen sind älter, aber sie spielen Golf, weil es ihnen Spaß macht. Zudem üben sie gleichzeitig Cardiotraining aus und sind im Alter nicht ständig alleine, sondern mischen sich unter die Leute.

Den richtigen und vor allem leistungsorientierten Golfsport betreibt allerdings die Jugend. Launch-Monitore & Datenanalyse, Schwungtechnik und Treffmoment des Balls sowie mentale Stärke stehen hier auf dem Trainingsplan. Überraschend, was sich alles hinter nur einem Golfschlag verbirgt, oder?

Der Launch-Monitor (TrackMan) auf den gespielt wird.
Der Launch-Monitor (TrackMan) auf den gespielt wird.

Diese fast schon wissenschaftlichen Aspekte sind allerdings für nicht-Golfer*innen kaum zu

erkennen, da sie ja nur „den einen Schlag“ sehen. Daher entstand so das weit verbreitete Bild, des oben beschriebenen Opa Klaus, dass Golf kein Sport sei.

Dass Golf jedoch ein Sport ist und was sich alles hinter „diesem einen Schlag“ verbirgt, teilte mir der A-Lizenztrainer für Golf und Fitness, Ole Gutberlet mit. Herr Gutberlet ist Golf Professional und trainiert einen Teil der Treudelberger Jugend, welche ihn ebenfalls als ihren Mental Coach ansehen. Auf meine Frage hin, wie genau sich der Sport in den letzten Jahren gewandelt hat und ob das Golfen wissenschaftlicher geworden ist, musste er schmunzeln, denn das Golfen ist auf jeden Fall deutlich technischer geworden.

Anfangs waren es nur einfache Videos, mit denen sich die Golfer*innen während des Schlags selber sahen und heute gibt es neben dem Video die Schlaganalyse, bei der ziemlich viele Werte Auskunft über den Schlag geben. Zahlen lügen nie, deshalb helfen sie beim Training extrem. Allerdings spricht Herr Gutberlet aus Erfahrung, wenn er sagt, dass es sogenannte Zahlenmenschen und Gefühlsmenschen gibt. Daher können einige Golfer*innen nichts mit den Zahlen anfangen und sich leider nicht in die Wissenschaft reinfinden. Natürlich kommt es auch ein wenig auf das Alter an. Da bei der Schlaganalyse sehr viele Begriffe auf Englisch sind, ist hier die Jugend ganz klar im Vorteil und nutzt die Trainingsprogramme deutlich öfter. Neben der Wissenschaft spielt zusätzlich auch das Mental-Training eine große Rolle. Hier ist es egal, ob alt oder jung, denn jeder benötigt die guten Nerven auf dem Platz. Wichtig ist hier zu erwähnen, dass das Mental-Training nicht nur übt, mit Frustration und Niederlagen umzugehen, sondern eine Idee gibt, welche Strategien auf dem Golfplatz angewendet werden können, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Dabei wird jede einzelne Golfbahn vor dem Spielen betrachtet. So bereitet sich also jeder individuell auf die Herausforderungen des Platzes vor und wird nicht beim Abschlag an der Golfbahn von den Schwierigkeiten überrollt. Gutes Golf hängt also nicht nur von einer guten Technik ab, sondern vielmehr von cleveren Entscheidungen während des Spielens, die vorab besprochen werden können. Herr Gutberlet vergleicht dies mit einer Klausur, um mir zu veranschaulichen, dass die Vorbereitung sehr wichtig ist. Um eine Klausur erfolgreich zu meistern, muss auch Wissen über den zu prüfenden Unterrichtsstoff vorliegen. Klingt doch ziemlich logisch, oder?


Wie wirkt sich das Mental-Training auf die Spieler*innen und was bringt das Mental-
training aus ihrer Perspektive?

Um das herauszufinden, führte ich ein Interview mit der ehemaligen Spielerin der Leistungsliga Mädchen AK18 Julia S. des Golfclubs Treudelberg. Sie nimmt ebenfalls Trainerstunden bei Herrn Gutberlet und spricht zu mir aus Erfahrung. Um zu verstehen, warum das Mental-Training vorteilhaft ist, erklärt sie mir ihre Ausgangslage.

Eine Golferin der Jugend beim Training.
Eine Golferin der Jugend beim Training.

Beginnt eine neue Saison, meldet der Golfclub die diesjährigen AK Mannschaften. Diese

können allerdings von Jahr zu Jahr variieren. So kommt es vor, dass manche Spieler*innen

einige Golfplätze noch nie gespielt haben. Um bei den Punktspielen nicht ohne Plan zu starten,

ist das Mental-Training sehr sinnvoll. Außerdem nimmt es manchen jüngeren Spieler*innen

auch die Angst, da sie dank der Besprechung wissen, was auf sie zukommt und vor allem, mit

welchen Strategien sie im Punktspiel wortwörtlich punkten können.

Aus Julias Sicht ist ein Mental-Training also immer für den Vorteil. Außerdem beschreibt sie, dass sie ebenfalls viele Fähigkeiten wie z.B. die Konzentrationsfähigkeit durch das Training verbessern konnte. Das hilft ihr natürlich beim Golfen aber auch beim Lernen für die Schule sowie in den Klausuren.

Da sie über ihre verbesserten Fähigkeiten durch das Mental-Training spricht, spreche ich sie auf sichtbare Verbesserungen an, die sie selber durch ihr normales Training (Bälle schlagen) und die Schlaganalyse bemerkt. Ob sie selber als Spielerin ihren Fortschritt wahrnimmt? Lächelnd schaut sie mich an und nickt. Wenn sie auf dem Platz steht, erkennt sie oftmals deutlich ihre Verbesserungen, da sie plötzlich weniger Schläge als zuvor für ein Loch benötigt. Beim Üben allerdings, sei das nicht so einfach zu erkennen. Daher filmt sie gerne ihren Schlag, nimmt einige Monate später ein ähnliches Video auf und versucht dann einen Fortschritt zu erkennen. Julia erzählt mir außerdem, dass eine Freundin von ihr manchmal auch die KI zur Hilfe nutzt. Praktisch ist die KI auf jeden Fall, denn beide Videos können so genau analysiert werden, allerdings ersetzt sie keinen Trainer. Auch, um individuelle Trainingspläne zu gestalten kann die KI genutzt werden, jedoch ist es sehr wichtig, dass genaue Daten und Ziele eingegeben werden, damit ein sinnvoller Trainingsplan entsteht. Die einzige KI, auf die sich Golfer gut verlassen können, ist Julias Meinung nach der TrackMan. Eine speziell entwickelte Software, die KI nutzt, um den Schwung zu analysieren. Dabei wird der Ball normal geschlagen und prallt an einer Leinwand ab, sodass der Flugverlauf des Balls auf einen Monitor übertragen wird. Diese Schwunganalyse ist sehr präzise und somit kann dort auch ein Fortschritt anhand der gemessenen Werte gut erkannt werden.

Da Herr Gutberlet in meinem vorherigen Interview von Zahlenmenschen und Gefühlsmenschen

sprach, frage ich Julia, welcher Typ sie ist. Nach kurzem überlegen antwortet sie mir unentschlossen, denn sie macht Beides. Während des Schwungs versucht sie auf das Gefühl der Bewegung zu achten und wie sich der Treffkontakt mit dem Ball anfühlt. Nach dem Schlag schaut sie sich oft die Werte mit ihrem Trainer an und versucht dann anhand von Beidem einen optimaleren Schlag zu machen, denn besser geht immer.


Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass hinter dem „einfachen Golfschlag“, der von nicht- Golfer*innen beobachtet wird, noch viel mehr steckt, als beim Betrachten auffällt. Hinter dem Golfen steckt also eine Wissenschaft für sich und wenn der Ball erst einmal getroffen ist, kommt es immer darauf an, einen kühlen Kopf zu bewahren, egal in welcher noch so ungünstigen Lage und welchem unpassendsten Moment die Spieler*innen sich befinden.

Das Golf-Training lehrt einen ebenfalls, sich selber gut zu reflektieren und bereitet einen auch auf verschiedenste Situationen, mit Leistungsdruck umzugehen sehr gut vor. Golfen ist somit nicht nur ein Sport. Golfen ist vielmehr als das. Eine Wissenschaft, die sich durch KI neu entwickelt hat, die eigene Wahrnehmung reflektiert und im alltäglichen Leben hilft, Situationen leichter zu meistern. Sollten wir somit nicht alle anfangen zu Golfen, um einen guten Ausgleich neben unseren täglichen Aufgaben zu finden?

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