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Marketing-Strategien zu Weihnachten

  • Kira, S3
  • 11. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

Endlich Weihnachtszeit! Ich stelle die vier heißen Weihnachtstassen mit Kakao sowie die Spekulatius auf ein Tablett und trage sie in das Wohnzimmer. Der Filmabend mit meinen Freunden kann beginnen! Ein Freund schnappt sich die Fernbedienung und schaltet den Fernseher an. Gerade läuft eine bekannte Schauspielerin dramatisch durch den Sand, um ein Parfüm vorzustellen. Die Weihnachtsgans wird angepriesen und die klassischen Pralinen aus „echter Handarbeit“ werden präsentiert. Heutzutage besteht das Fernsehen wohl nur noch aus Werbung! Zum Glück können wir diese umgehen, da wir den Film auf einem Streaminganbieter schauen! Doch wie sieht es eigentlich im weiteren Alltag aus? Kann ich die Marketing-Strategien der Industrie umgehen? Gibt es in den Geschäften unterschiedliche verkaufsfördernde Maßnahmen zu Weihnachten?


Werbung steht im Weg

Um dies herauszufinden, führe ich zuerst bei Budni ein Interview mit zwei engagierten und sehr freundlichen Mitarbeiterinnen. Frau Rama zeigt mir auf meine Fragen zu den Marketing-Strategien hin, mehrere Produktaufsteller, welche in der Mitte der Gänge stehen. Sie betont, dass es wichtig sei, diese Aufsteller so früh und so präsent wie möglich aufzustellen, damit die Kunden auf die Produkte aufmerksam werden.


Das zufällige Entdecken eines Produkts durch diese Aufsteller, regt beim Kunden das Kaufverhalten an, sodass das eine oder andere Produkt als kleines Weihnachtsgeschenk mitgenommen wird. Wenn die Aufsteller am Rand des Ganges stehen würden oder die Produkte normal im Regal, dann könnten diese nicht gesehen werden und es würden weniger Produkte verkauft werden. Daher sind die Produktaufsteller zu Weihnachten sehr häufig in vielen Geschäften vertreten und somit eine sehr wichtige Marketing-Strategie der Industrie. Mir wurde klar, dass diese Strategie sehr gut funktioniert, als ich nach dem Interview an meine Weihnachtseinkäufe dachte. Einige Produkte, welche ich bereits gekauft habe, waren gezielt auf den Aufstellern platziert, sodass sie mir in das Auge fielen. Diese Strategie können wir als Kunden somit nur umgehen, wenn wir keines der Produkte kaufen, die durch die Produktaufsteller beworben werden.

Doch welche Produkte werden genau durch die Aufsteller beworben? Als ich während des Interviews nachfrage, bin ich von Frau Ramas Antwort sehr überrascht, denn es werden alle möglichen Produkte bei Budni beworben. Spezielle Weihnachtseditionen gibt es zwar auch, jedoch stehen diese für gewöhnlich in dem Regal neben dem originalen Produkt. Diese werden somit nicht durch Produktaufsteller beworben. Frau Ackermann stimmt ihrer Kollegin zu und erzählt mir, dass die einzelnen Weihnachtseditionen sehr selten hervorgehoben werden. Jedoch gebe es jedes Jahr zu Weihnachten viele Geschenksets, die ebenfalls Weihnachtseditionen enthielten. Diese Geschenksets sind übrigens weitere Marketing-Strategien der Industrie. Oftmals sind die Geschenksets auch deutlich teurer als die einzelnen Produkte zusammen. Augen auf, beim Einkauf, denn meistens ist weniger Inhalt des Produkts in den Sets enthalten! Da die Sets allerdings schön verpackt sind und sich so gut verschenken lassen, werden sie sehr häufig gekauft. Wer diese Marketing-Strategie umgehen möchte, kauft am besten einzelne Produkte und keine Geschenksets. So können die Kunden sparen und das gekaufte Produkt etwas länger nutzen.


An Weihnachten besonders gut riechen


Im späteren Gespräch erzähle ich Frau Ackermann von der vielen Parfümwerbung, die ich zu Weihnachten sehr häufig sehe, dabei erinnerte ich mich an den Filmabend mit meinen Freunden. Ich erfahre, dass dementsprechend auch sehr viele Parfüms zu Weihnachten gekauft werden. Die Strategie, vor Weihnachten viel Parfümwerbung zu senden hat einen ähnlichen Hintergrund, wie bei den Geschenksets. Parfüms lassen sich sehr gut verpacken und wirken sehr edel, obwohl manche nicht teuer sind. Daher hat Budni viele Parfums in der Weihnachtszeit im Angebot. Eine Strategie von Budni, die Kunden mit Reizen in das Geschäft zu locken, ist hier deutlich zu erkennen. Bestimmte Gutscheine und eigene Werbung verwendet Budni allerdings nicht. Hier reicht meistens schon die viele Werbung einzelner Parfums im Fernsehen, die Budni auch verkauft und so davon profitiert.


Backzubehör in der Drogerie

Eine unauffällige Marketingstrategie von Budni wird mir bewusst, als ich nach den meistverkauften Produkten frage. Neben Parfüms, Geschenksets und Süßigkeiten verkauft Budni viele Packungen an Mandelsplittern und Kokosraspeln sowie Plätzchenausstecher. Klingt für einen Drogeriemarkt etwas ungewöhnlich, oder? Aber genau das ist die Strategie. Viele Kunden haben keine Lust extra noch in einen Supermarkt zu fahren, um in der Weihnachtszeit etwas zum Backen für Kuchen oder Plätzchen zu besorgen. Praktischerweise bietet Budni diese Produkte an, wenn auch etwas teurer. Die Kunden kaufen dies häufig bei Budni, da der Einkauf von Weihnachtsgeschenken oftmals auch mit dem Backen von Plätzchen verbunden ist, die ebenfalls zu Weihnachten an die Familie verschenkt werden. Budni verdient hier gut an den Backutensilien, da der Drogeriemarkt diese teurer anbietet als der normale Supermarkt.


Im Vergleich zu den Drogeriemärkten, nutzen Bekleidungsgeschäfte allerdings deutlich andere Marktstrategien. Um diese herauszufinden, interviewe ich T. Frese, einen sehr freundlichen Mitarbeiter bei Jack & Jones. Die erste Marktstrategie von Jack & Jones ist nicht zu übersehen, denn in dem gesamten Geschäft hängen große Plakate mit der Aufschrift „3 für 2“.

Auf meine Frage hin, ob die Plakate wirksam sind, antwortet er mit einem klaren „ja“. Er fügt hinzu, dass diese als „Reinholer“ fungieren und die Verkaufszahlen steigen, wenn Jack & Jones solche Angebote anbietet. Ob die Verkaufszahlen am Black Friday und in der sogenannten Black Week steigen, kann mir Herr Frese ebenfalls beantworten. Auch hier antwortet er mit einem „ja“. Vor allem an dem Black Friday verkaufe Jack & Jones besonders gut. Kein Wunder, denn der Black Friday lockt die Kunden an. Die Produkte sind günstiger und dass führt zu mehr Nachfrage. Allerdings bemerkt er auch, dass immer mehr Kunden extra für den Black Friday sparen und somit gehen die Verkaufszahlen einige Tage vor dem Black Friday zurück. Auch wenn der Black Friday eigentlich nur zum Kaufen animieren soll, ist diese Marketingstrategie der Industrie für alle, die auf etwas sparen sehr nützlich. Der Rest tappt hier häufig in das Fettnäpfchen und denkt sich: „es ist billig also kaufe ich es“.

Herrn Frese frage ich ebenfalls nach den meistverkauften Artikeln zu Weihnachten, um vielleicht weitere versteckte Marketingstrategien zu entdecken. Nach kurzem Überlegen antwortet er, dass viele Mäntel und Strickpullover zu Weihnachten gekauft werden. Auf die Pullover gibt es aktuell 50% Rabatt, daher können die hohen Verkaufszahlen auch mit dem Rabatt zusammenhängen. Meistens werden diese aber auch als Weihnachtsgeschenk gekauft. Sonst sind noch die Weihnachtssocken sehr beliebt, die es nur in der Weihnachtszeit zu kaufen gibt. Hier fällt die Strategie auf, spezielle Produkte für Weihnachten anzubieten. Die Verkaufspsychologie „Begrenzung des Angebots“ eines Produkts durch die Jahreszeit wird hier angewendet. Die Weihnachtssocken verkaufen sich somit besser als normale Socken, sind aber oft auch teurer.


Marketingstrategien in Einkaufspassagen

Doch nicht nur im Fernsehen und in den Geschäften sind Marketingstrategien der Industrie zu erkennen. Als ich mit einer Freundin durch die Europapassage schlendere, fallen mir die zahlreichen Stände mit Pralinen auf, die in der gesamten Europapassage verteilt sind. Die Mon Chéries stapeln sich haufenweise auf den Tischen und sogar an der Kasse eines Bekleidungsgeschäfts bekommen wir beide diese angeboten. Nach kurzem Zögern nehmen wir das Angebot an. Als wir aus dem Laden gehen, öffnen wir nun beide die Pralinen. Dann meint meine Freundin zu mir, dass es doch auch eine gute Idee sei Mon Chéri zu Weihnachten zu verschenken. Ich schaute sie an und lache, denn dank meiner Recherche zu dem Thema Marktstrategien erkenne ich diese Strategie der Industrie sofort. Die vielen „Giveaways“ an Mon Chérie fungieren als Werbung und bei ihr funktioniert das wohl ziemlich gut.


Übrigens sind zwei weitere Marketingstrategien in allen Geschäften zu erkennen. Die gezielte Inszenierung von Produkten mit Licht ist überall zu entdecken. Ebenso beeinflussen in den Geschäften immer abgestimmte Gerüche und Musik das Kaufverhalten. Besonders wird also auf die physische Umgebung geachtet. Beim Online-Shopping kann das jeweilige Unternehmen jedoch nicht auf die physische Umgebung Einfluss nehmen. Stattdessen wenden viele Unternehmen Psychologie an. Informationen wie „Nur noch 5 auf Lager“ setzen uns unter Druck und beeinflussen das Kaufverhalten sehr stark. Aus Angst, dass es den Artikel bald nicht mehr gibt, wird dieser gekauft.

Auch die vielen Geschenkartikel-Läden, wie Nanu-Nana und Tiger funktionieren nach genau einer gewissen Marktstrategie. Durch das ständig wechselnde Angebot ihres Sortiments, welches Saison abhängig ist, werden hier die Kunden zu „Konsumopfern“. Gerade zu Weihnachten gibt es hier reichlich viel Unnötiges zu kaufen. Zu einem kurzen Interview mit den Mitarbeitern kam ich leider nicht, da sich die lange Schlange an der Kasse nur so durch den Laden zog. Schade – aber ich denke, das spricht für sich, denn im Frühjahr oder Sommer ist der Nanu-Nana nicht so überfüllt. Das Geschenke Kaufen gerade zu Weihnachten macht ziemlich viele Menschen zu „Konsumopfern“. Mich eingeschlossen, denn ich kaufte an diesem Tag bei Nanu-Nana die vier Weihnachtstassen, die ich für den Filmabend mit Kakao befüllte. Der Kauf der Tassen war ziemlich unnötig und doch habe ich sie gekauft, da sie alle ein Weihnachtsmotiv tragen. Das bringt mich zu dem Fazit, dass wir alle auf die Marktstrategien der Industrie vor allem zu Weihnachten reinfallen und diese nur selten umgehen. Für unser Konsumverhalten und den Geldbeutel wäre es jedoch hilfreich etwas bewusster einkaufen zu gehen.

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