top of page

Gekauft, geliked, weggeworfen: Der Kreislauf des Überkonsums

  • Franka, S3
  • 23. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Jeden Morgen durchleben wir unbemerkt denselben Ablauf: Vor der Schule noch schnell TikTok oder Instagram öffnen und sofort sehen wir tausend neue Outfit-Inspirationen. Haul Videos, Rabattcodes von Influencern und Formate wie „Build an outfit with me“ machen Mode nicht mehr saisonal, sondern minütlich. Mittendrin: Fast-Fashion-Marken und Influencer, die uns sagen, was wir angeblich jetzt brauchen egal, wie es hergestellt wurde.

Fast Fashion steht für Kleidung, die extrem schnell, günstig und trendabhängig produziert wird. Marken wie Zara, H&M oder besonders Shein bringen mehrere Kollektionen pro Monat heraus – nicht pro Saison. Für viele Jugendliche klingt das wie ein Jackpot: riesige Auswahl, kleine Preise, kostenloser Versand und schnelle Lieferung. Trends landen direkt im Kleiderschrank und man ist sofort „dabei“.

Doch genau hier beginnt das Problem: Wir kaufen nicht mehr, weil wir etwas brauchen, sondern weil wir etwas angezeigt bekommen und glauben, es zu brauchen.


Ich habe meine Freundin Zoe (17) zu ihrem Kaufverhalten interviewt.

„Es fühlt sich gut an, Pakete zu bekommen. Du siehst online so viele coole Sachen und denkst: Für 6 Euro? Warum nicht? Aber dann trage ich es einmal zu einem Geburtstag und danach liegt es für immer im Schrank. Und für die nächste Party brauche ich schon wieder etwas Neues.“

Was Zoe beschreibt, bestätigen auch Psychologen:


„Fast Fashion bedient den Kreislauf der sofortigen Befriedigung, nicht den der langfristigen Zufriedenheit.“

Der Effekt: ein kurzer Dopamin Kick statt echter, anhaltender Freude. Während wir ein 5-Euro-Shirt kaufen, zahlt jemand anderes den Preis. In Produktionsländern wie Bangladesch oder China arbeiten viele Näher*innen unter extrem schlechten Bedingungen: 12–16-Stunden-Schichten, kaum Pausen und Löhne weit unter dem Existenzminimum. Ein Arbeiter aus Bangladesch sagte anonym in der Dokumentation "Fast Fashion - für einen Hungerlohn":

"They change the trends faster than our lives can improve." (Sie ändern die Trends schneller, als sich unser Leben verbessern kann.)

Während wir über „Low-Rise“ oder „Skinny Jeans“ diskutieren, kämpfen andere Menschen darum, ihre Familien ernähren zu können. Auch für die Umwelt ist Fast Fashion verheerend. Für ein einziges Baumwoll-T-Shirt werden ca. 2.700 Liter Wasser benötigt, so viel trinkt eine Person in etwa 2,5 Jahren. Gleichzeitig landen laut Umweltorganisationen große Mengen Kleidung auf Deponien oder werden verbrannt. Nur ein sehr kleiner Anteil wird tatsächlich recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet. Hinzu kommen giftige Chemikalien und Mikroplastik. Viele Textilien werden mit synthetischen, teilweise toxischen Farbstoffen behandelt. Beim Waschen lösen sich winzige Plastikfasern aus Polyesterkleidung, die in Flüsse, Meere und schließlich in die Nahrungskette gelangen – mit globalen Folgen für Mensch und Natur.


Der größte Einfluss hinter der Fast-Fashion-Industrie ist heute nicht mehr die Fashion Week, sondern der TikTok-Algorithmus. Aufmerksamkeit ist zur eigenen Währung geworden. Millionen sehen dasselbe Video, Hunderttausende kaufen dasselbe Shirt, Zehntausende posten dasselbe Outfit – und trotzdem fühlen sich alle „unique“.kaufen dasselbe Shirt, Zehntausende posten dasselbe Outfit – und trotzdem fühlen sich alle „unique“.


Meine Schwester Karla (20) fasste zusammen:

„Man denkt, man entscheidet selbst. Aber eigentlich entscheidet der Algorithmus, was ich schön finde – noch bevor ich es selbst schön finde.“

Trends werden gezielt erzeugt, Marken greifen sie blitzschnell auf und befeuern die FOMO-Kultur („Fear of missing out“). Mode wird dadurch oft zum sozialen Druck statt zum Ausdruck von Persönlichkeit. Doch es gibt Hoffnung: Immer mehr Jugendliche nutzen Second-Hand-Plattformen wie Vinted oder kaufen in lokalen Vintage-Läden. Nicht nur wegen der Umwelt, sondern auch wegen des Wunsches nach Qualität, Originalität und echter Individualität.

Zoe sagte dazu:


„Es ist auch ein Trend, aber einer, der Sinn macht. Ich habe lieber 10 Teile, die ich liebe, als 100 Teile, die ich nur like.“

Fast Fashion ist längst mehr als Mode - es ist ein System aus Überproduktion, digitalem Kaufdruck und Ausbeutung. Und es ändert sich nur, wenn wir es ändern. Für mich bedeutet das:

  • Trends bewusst hinterfragen

  • Qualität vor Quantität setzen

  • Second-Hand unterstützen

  • nicht kaufen, nur weil es billig ist

  • Mode als Ausdruck sehen, nicht als Wegwerfprodukt


Fast Fashion zeigt, wie schnell Trends, Klicks und Algorithmen uns zum Kaufen treiben können, während Menschen in Produktionsländern ausgebeutet werden, unsere Umwelt belastet wird und wir den wahren Wert von Kleidung aus den Augen verlieren, deshalb liegt es an uns, bewusste Entscheidungen zu treffen, Qualität, Nachhaltigkeit und Individualität zu priorisieren und Mode wieder zu etwas zu machen, das Freude bringt, statt nur kurzlebige Befriedigung zu liefern.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page